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Sabbatical oder das größte Abenteuer meines Lebens

Chilling in den Sonnenuntergang sitzend

Ab dem 1.März 2026 bin ich für ein Jahr im Sabbatical. Raus aus dem Hamsterradjob, rein in eine Weltreise. Wobei ich sagen muss, dass ich wirklich ein Traumjob habe, aber es gibt halt noch andere Träume auf dieser Welt und die will ich jetzt in Angriff nehmen.

Chilling an Al Ula Saudi-Arabien

Es gibt keine bessere Zeit als jetzt

Die beste Zeit, seine Träume zu leben, ist nicht ab der Rente, sondern so lange es Körper und Geist zulassen. Ich bin jetzt jung 57, aber ich merke meinen Körper, und es gab auch schon die ersten gesundheitlichen Einschläge, und das gibt zu denken. Ich habe eine Menge erlebt in meinem Leben und kann ganze Bücher mit Lagerfeuergeschichten füllen. An Abenteuern hat es mir nie gemangelt, sei es mit dem Fahrrad von Lübeck nach Gibraltar, mit dem Motorrad quer durch Europa oder auf Fernreisen nach Neuseeland, Mauritius oder Costa Rica. Ich hab auch eine lange Bucket List mit vielen Haken. Ich war Fallschirmspringen, bin mit dem Motorrad 300 km/h gefahren, hab den Watzmann bestiegen und hab mit Mantas auf den Malediven getaucht. Aber auch andere Buckets gab es, z. B. Vorlesungen und Keynotes gehalten, Forschungsanträge erfolgreich gestellt und Konferenzen wie die Moodlemoot oder das Barcamp Lübeck mitgegründet. Ich blicke auf viele Erfolge, aber auch Misserfolge zurück, aber ich war noch nie richtig im Ausland. Damals als Student gab es noch kein Erasmus für mich, und meine drei Bewerbungen ins Ausland waren nicht erfolgreich, sonst wäre mein Leben sicherlich anders verlaufen. Doch jetzt hab ich eine Chance, das aufzuholen, und deshalb will ich einmal um die Welt.

Ich will schon länger eine Auszeit bzw. ein Sabbatical mache. Die letzten beiden Jahre war ich im Februar jeweils vier Wochen in der Workation. Einmal auf Teneriffa und einmal Azoren. Das waren tolle Erlebnisse, doch Peanuts gegenüber dem, was ich jetzt mache. Denn Sabbatical ist keine Workation. Ich muss nicht arbeiten, sondern ich will lernen. Ich will mich erweitern. Neue Kulturen kennenlernen, Abenteuer erleben und noch einmal schöne Orte fühlen. Man hat immer das Gefühl, dass wir Menschen alles kaputt machen, und deshalb will man erst recht noch einmal die letzten Spots sehen. Was für ein Widerspruch, und ich bin jetzt darin gefangen.

Ich hab gerade das Digital Learning Campus-Projekt. Es ist nur ein Projekt, vorletztes Jahr hatte ich noch fünf Projekte. Dafür ist der DLC aber unser größtes und wichtigstes Projekt, und es läuft halt lange. Da kann man gut ein Jahr aussteigen ohne schlechtes Gewissen, und außerdem hab ich die besten Kollegen der Welt, und das meine ich ernsthaft. Ich arbeite seit 25 Jahren an der TH Lübeck, und ich hatte noch nie so ein gutes Team. Liegt vielleicht auch daran, dass wir KI nutzen und ich eine super Projektleitung habe, oder es passt diesmal einfach alles. Egal, es wird jedenfalls super weitergehen, auch ohne mich.

Wer drei Monate weg ist, ist ersetzbar

Das hat mein alter Chef immer gesagt, und ich glaube, dass er damit auch recht hat. Doch inzwischen weiß ich zwei Sachen. Zum einen kann jeder ersetzt werden, aber zum anderen werde ich nie ersetzt werden können. Darüber kann jeder selbst nachdenken, was ich damit meine, und letztendlich ist das unwichtig, denn ich will weg. Und wenn ich wieder da bin, möchte ich gewachsen sein und Sachen gelernt haben bzw. erlebt haben, die mich und meine Umwelt weiterbringen. Die das Leben besser machen und dem Bewusstsein neue Blicke gibt.

Organisation so einer Weltreise

Ich hab Glück, da ich im öffentlichen Dienst arbeite. Hier ist alles mit einem Sabbatical geregelt. Aber dank meines Arbeitgebers musste ich da auch gar nicht viel machen. Das „Ob“ stand nie in Frage, sondern eher das „Wie“. Hier geht es aber eher um Geld und die eigene „Infrastruktur“. Bedeutet, wenn man keine Familie, keine Tiere und Pflanzen hat, etwas Geld auf der Kante liegen hat und gesundheitlich fit ist, kann man eigentlich relativ schnell los.

Ich hatte vier Baustellen:

Ich brauchte neue Brillen. Hatte ich schon lange aufgeschoben wegen Gleitsicht und Co. Das bedeutet Sonnenbrille, eine für den Alltag und eine Bildschirmbrille.

Impfungen – oh, das hat lange gedauert, und ich hab alles genommen, was es so gibt, bis auf Malaria. Falls ihr so etwas macht, plant dafür Zeit ein. 3 Monate besser, aber sind 6 Monate, da man teilweise Pausen braucht, und man kein Sport machen kann oder keinen Alkohol trinken sollte. Außerdem sollte man gesund sein, und es kann immer was passieren.

Geld – Damit meine ich nicht nur Geld haben, sondern man sollte mehrere Kreditkarten bei mehreren Banken haben.

Zähne – Ich hab gerade ein Implantat bekommen. Das hat auch ewig gedauert und war auch teuer. Aber es ist erledigt.

Der Plan

Ich muss eingestehen, ich hatte keinen. Ich wollte einfach raus aus dem Hamsterrad. Dann hatte ich mehrere Optionen:

  • Pamir Highway mit Motorrad
  • Südafrika mit dem Fahrrad
  • einmal ums Mittelmeer mit Van
  • alle sieben Kontinente besuchen
  • Panamericana mit meinem Freund
  • Ein Buch schreiben
  • zu Hause bleiben

Ich wusste aber auch ziemlich genau, was ich nicht wollte. Keine Kreuzfahrt (da bin ich noch nicht alt genug für), keine Partnertour, sondern ein Solo-Trip, kein Europa, das kann ich machen, wenn ich alt bin. Außerdem hab ich paar Sachen ausgeschlossen. Afrika und USA sind nicht so meins, und Grönland, Patagonien, Kanada sind mir zu kalt für ne Weltreise. Ich reise nämlich minimalistisch. Gepäck soll unter 10 kg sein und max zwei Gepäckstücke. Es muss in Asien auf nen Roller passen, für maximale Flexibilität. Zusätzlich bin ich auch nicht der Größte (manch einer sagt, jedoch, dass ich ein ganz Großer wäre, aber nicht lang 🙂), daher hab ich nicht viel Kraft, und das bedeutet wenig Gepäck. Also keine lange Hose oder fette Schuhe und erst recht keine Jacke.

Also musste ne neue Idee her, und dank eines Tipps und alten Erinnerungen hab ich beschlossen, ’ne Weltreise zu machen. Wenn schon denn schon, und da hab ich das Zeitbudget von 6-9 Monaten auf 12 Monate erhöht, und es hört sich auch irgendwie cooler an. Weltreise statt „ich war ein Jahr in Asien“. Außerdem will ich nach Tahiti, Bora Bora und Hawaii, und in die Ecke werde ich wohl nie wieder kommen.

Finanzierung und Ansparen

Da war ich naiv, denn das mit dem Ansparen eines Sabbaticals hab ich nicht kapiert. Da geht es nicht um Zeit, sondern um Geld. Normal ist, man erhält drei Jahre nur 75% seines Gehalts, und dann im vierten Jahr, also dem Sabbatical, weiterhin mit dem „Angesparten“ auch 75% zu erhalten. Ich hatte aber keine drei Jahre, daher haben wir das alles auf 12 Monate verkürzt, und ich muss mit 50% auskommen.

Mein Budget sind ungefähr 120 Euro pro Tag mit allem. Das bedeutet Flug, Mietwagen, Hotel, Essen und Events. Die KI sagt, man kann das dritteln, also Alltag und Wohnen sind 30-40%, Transport sind 30%, und noch einmal Events z. B. Nationalpark, Museen, Massagen usw. plus Notfälle.

Specials sind bei mir noch KI, SIM und natürlich Versicherung.

Dokumentation einer Weltreise

Das ist der größte Brocken. Wie will man diese Erlebnisse verarbeiten? Tagebuch schreiben? Und wenn ja, analog oder digital? Will man sich mitteilen über Homepage, Social Networks, und was ist mit Fotos, Videos und Eintrittskarten?

Ich hab noch kein richtiges Konzept erarbeitet. Bisher arbeite ich spontan mit privatem Tagebuch mit Laptop und STT (Speech to Text) Konzept. Dazu mach ich jeden Tag ein Videotagebuch für Instagram und bald auch YouTube Shorts. Falls ihr mir folgen wollt, ist Instagram gerade die beste Idee. Das wird aber auch alles auf Facebook kopiert. Ich hab ’ne Actioncam dabei mit der alten Insta360 X2, und ich denke übern Podcast mit Deepdives nach. Das ist eigentlich zu viel, aber ich will auch etwas arbeiten und mir diese Storytelling-Kompetenzen aneignen. Sabbatical ist nicht Urlaub, aber jeder hat da ein anderes Konzept.

Flexibilität

Ich schreibe diesen Text in Jeddah nach den ersten 12 Tagen Saudi-Arabien. Inzwischen ist Krieg im Iran, und ich muss die Reise vielleicht anpassen. Ich bin am 19. Februar gestartet mit einem Flug, einem Visum und drei Tage Hotel. Ich plane nie weiter als sieben Tage und lebe spontan in den Tag hinein. Das ist manchmal anstrengend, aber oft auch sehr einfach. Die nächsten Stationen sollen Oman, Nepal und Indien sein, aber vielleicht kommt es auch ganz anders. Ich wollte eigentlich auch nach Mekka und nicht nach Hegra. Bereut hab ich es nicht.

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